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Sehr geehrter Herr Gusenbauer,..

email an Alfred Gusenbauer::08.01.2007

Sehr geehrter Herr Gusenbauer,
Sehr geehrte Damen und Herren.

Ich spreche gleich in zweiter Zeile jemand anderen als den bisher so geschätzten Parteivorsitzenden an, da ich annehme er wird momentan sehr viele derartige emails und Nachrichten bekommen, dass er vermutlich im Zuge seiner Arbeitsplatzbeschaffung bis eben noch frei verfügbare Studenten dazu abgestellt hat diese Nachrichten für ihn zu beantworten.
Nun gut.
Vielleicht habe ich ja Glück und meine Worte finden ihren Weg zu jemandem der mit der SPÖ auch wirklich geistig etwas zu tun hat.

Also.
Wertes Parteimitglied – hoffe ich.
Anfangs gleich eine private Frage, die Sie mir zu stellen verzeihen werden:
Wenn man wirklich persönlich hinter einer Partei steht, ihre Meinungen, Interessen und Absichten vertritt und für sie einsteht welche Konsequenzen sieht man für sich selbst wenn diese Absichten und die dafür eingesetzte Kraft und Energie ad absurdum geführt werden?

Ich wende mich heute an Sie -und glauben Sie mir ich tue dies das erste Mal, normalerweise begnüge ich mich damit weniger gepflegte oder sagen wir einmal ausgewählte Worte zu benutzen um meine Meinung via den Möglichkeiten die uns das Internet bietet kund zu tun- um herauszufinden wie es sein kann, dass ein Wahlsieg der SPÖ zu einer SCHWARZ-roten Regierung führen kann?
Nachdem ich bei der Wahl für Ihre Partei gestimmt habe, denke ich habe ich ein Recht zu erfahren wie es passieren konnte dass gerade die Grundsätze der Wahlversprechen (es war naiv anzunehmen Ihre Partei würde dieses Wort ernst nehmen im Gegensatz zu allen anderen politischen Polemikern, die um genug Stimmen zu ergattern sich zu jedem schändlichen Mißbrauch ihres Wortschatzes herablassen!!) die mir wichtig waren wie zum Beispiel die Abschaffung der Studiengebühren plötzlich zu Füßen der ÖVP in den Staub getreten werden?

Ich habe mir die Mühe gemacht auf Ihrer Homepage nach Erklärungen zu suchen und mußte schon als ich den ersten Satz las wieder aufhören:
„FREIER UNI-ZUGANG WIEDER HERGESTELLT“
Ich glaube ich kann nachvollziehen dass man diese Schlagzeile Kronenzeitungsgerecht (verzeihen Sie falls Sie diesem Blatte persönlich geneigt sind, aber mir geht es um den Vergleich der reisserischen Schlagzeile auf Kosten der Wahrheit) verpacken möchte, allerdings erwarte ich mir mehr von der offiziellen Homepage einer Partei die unser Land regieren soll etwas mehr.
Falls Sie „Freier Uni-Zugang wieder hergestellt“ auch wirklich persönlich und mit Herz und Seele vertreten können, möchte ich gerne ausgerechnet bekommen wie ich (Alleinerzieherin, 3jährige Tochter, Maturantin –also grundsätzlich für Unitauglich befunden-, arbeitslos, in Schulung) mir das Studium meiner Wahl (Jus) finanzieren kann.
1. Die Studiengebühren
2. Den Kindergarten für meine Tochter
3. Den Lebensmittel für meine Familie
4. Die Kosten für Wohnung, Heizung, Gas, Wasser.. usw.

Falls Sie sich dazu außer Stande sehen würde ich bitten meine Nachricht an andere weiterzuleiten.
Falls Sie diese Nachricht schon als Letzter einer langen Liste unwilliger Parteimitarbeiter erhalten haben sollten, möchte ich Ihnen wirklich danken dass Sie wenigstens soweit gelesen haben um zumindest dieses Danke zu erhalten.

Zum Abschluß habe ich nur noch ein Kuriosum entdeckt das ich gerne klären würde (bzw. vielleicht später noch folgende in anderen Nachrichten –ich bin erst auf Seite 7 des „Wahlmanifest der Sozialdemokratischen Partei Österreichs“):
Wie erklären Sie das überlassen des Wirtschaftsressorts an einen Regierungspartner über den unter anderem folgendes von Ihrer Partei veröffentlicht wurde:
„Die verfehlte Wirtschaftspolitik dieser Regierung führt zu einer Abwärtsspirale in der wirtschaftlichen Entwicklung. Österreich liegt beim realen Wirtschaftswachstum nur noch auf Platz 20 der 25 EU-Staaten und bei öffentlichen Investitionen ist Östererich sogar das Schlußlicht.“

Danke im Vorraus nochmals für Ihre Aufmerksamkeit und hoffentlich auch die Mühe mir zu antworten!

Mit freundlichen Grüßen und weiterhin zuversichtlich-naivem Optimismus, Ihre
B. K.

PS. Verzeihen Sie etwaige Fehler der Grammtik oder Rechtschreibung



______________________________________________________________
kluge worte zur verhandlugnsfarce von pezwo
PeZwo - 8. Jan, 20:03

das hast du gut geschrieben....

fr. hase - 8. Jan, 20:11

danke hab mich auch bemüht :)
je grantiger ich bin desto höflicher werd ich.
PeZwo - 8. Jan, 20:15

dieser so betont höfliche Ton wirkt auch in so einer Situation wesentlich mehr als die wüstesten Beschimpfungen.
fr. hase - 8. Jan, 20:25

beim schreiben vielleicht.. beim sprechen hinterläßt er leider nie eindruck.. außer bei menschen die mich kennen, die passen dann ein bissi auf *g*
muss aber sagen dass ich deine worte zur verhandlungsfarce auch sehr passend finde. dementsprechend verlinken werde.
es ist wirklich ein witz wie das ausgegangen ist.
die ministerienverteilung und die zwei hauptpunkte mit denen sie versucht haben neue wähler anzuwerben und die jüngeren zu ködern die einfach gestrichen sind: studiengebühren und die gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher paare. *murr*
dafür haben sie aber den großen sieg errungen dass nun ab 16 gewählt werden darf.. oder hab ich da die zib nicht richtig verstanden?
PeZwo - 8. Jan, 20:46

der eigentliche Fehler der SPÖ war woanders. Sie haben alles gesagt, was die Menschen hören wollten und wohl selbst gar nicht geglaubt, diese Versprechungen auch umsetzen zu müssen. Aber das Alleine wäre noch nicht so schimm, das tun die meisten.
Aber sie sind dann in den Wochen nach der Wahl so aufgetreten, als hätten sie die absolute Mehrheit erhalten. In Wirklichkeit haben auch sie Stimmen verloren, bloß halt weniger als die ÖVP.

Ihnen war in ihrer Begeisterung für den unerwarteten Sieg nicht klar, dass die beiden Parteien fast gleich stark sind und die ÖVP ihr einziger politisch möglicher Partner war. Und diese Fehler werden, wenn man es mit so einem versierten Politiker wie Wolfgang Schüssel zu tun hat, bestraft.
fr. hase - 8. Jan, 20:54

huiui du hättest ihm schreiben müssen :)
wesentlich versierter als ich ;)
fr. hase - 8. Jan, 21:00

:) mraumrau!
sorry.. die gewohnheit zwischen web und mensch manchmal zu sehr nach stimmung zu unterscheiden *snu?*
PeZwo - 8. Jan, 21:02

*ggg* no problem
PeZwo - 8. Jan, 21:03

... und danke für die verbalen Blumen ....
fr. hase - 8. Jan, 21:16

müßt ich doch sagen *g*
ist aber so gemeint.
Morningstar (Gast) - 8. Jan, 21:38

99 Tage Koalitionsverhandlungen

1) Vorspiel

- Am Wahlabend: Ein sich zierender, trotziger WS; ein freudenstrahlender, jovialer AG
- Bei Bekanntgabe des Abschlusses der Koalitionsverhandlungen: Ein um Erklärungen ringender, ob seines erfüllten Jugentraums kindlich erfreuter Bundeskanzler; ein entspannter, gelöster (Ex-)Bundeskanzler

2) Ein Auszug aus den Ergebnissen:

~ Keine Abschaffung der Studiengebühren - man könnte sagen: war zu erwarten.

~ Zugang zu zinsenlosen Krediten und Ausweitung der Stipendien für Studierende - man könnte sagen: Augenauswischerei.

~ "Stärkung des sozialen Zusammenhalts in der Gesellschaft" durch ein "exzellentes Modell" in Form von 60 Stunden Sozialarbeit zu einem fiktiven Stundenlohn von 6,06 Euro - man könnte sagen: günstiger Zivildienstersatz und Verhinderung von Chancengleichheit beim Unizugang

~ Betraung des Wahlverlierers mit drei der wichtigsten Ressorts (Innen-, Außen und Finanzministerium), u.U. kann sogar KHG noch zum erneuten Finanzminister vorgeschlagen werden. Man könnte sagen: eine Kapitulation.

~ Unterricht, Soziales und Verteidigung bei der SPÖ (Soziales mit kleinerem Wirkungsbereich als zuvor, Frauenministerium ohne eigene Gelder) - man könnte sagen: interessante Auswahl.

~ Einigung auf Kauf der Eurofighter; der künftige Verteidigungsminister soll laut Neu-Bundeskanzler AG den österreichischen SteuerzahlerInnen „möglichst viel Geld“ ersparen und bei der EADS nachfragen ob noch ein bisserl was geht - man könnte sagen: eine Farce.

~ Der kommende (rote!) Verteidiungsminister darf nicht nur um finanziellen Nachlass betteln, sondern letztlich auch die Eurofighter offiziell willkommen heissen - man könnte sagen: eine Demütigung.

~ Budget, Wirtschaft, Universitäten, AsylwerberInnen und andere wichtige gesellschaftspolitische Ressorts liegen komplett bei der ÖVP - man könnte sagen: schwer vorstellbar, dass die SPÖ mit Verzicht auf diese Ressorts ernsthaft glaubt, an der bisherigen Regierung geäußerte Kritikpunkte verbessern zu können.

~ Landwirtschaftsminister Pröll konnte z.B. dadurch sein Ressort behalten, dass er mit Rücktritt gedroht hat - man könnte sagen: mutig für einen Wahlverlierer, aber warum soll nicht als Zweiter gehen was als Dritter ging?

~ Arbeit und Wirtschaft bleiben weiterhin bei der ÖVP, es wird nicht wie von der SPÖ gefordert ein eigenes Arbeitsministerium geben - man könnte sagen: offenbar sind die rote Kritik an steigenden Arbeitslosenzahlen und "sozialer Kälte" wohl doch mehr "Sager" als ernst gemeinte Vorwürfe an Zuständen, die man ändern möchte.

3) Zitate:

~ "Die SPÖ macht sich zum Gespött" (Ex SPÖ-Vizekanzler & Innenminister Hannes Androsch)

~ "Ich glaube, dass wir von unserer Seite unsere Handschrift in den Ressorts gut unterbringen können." (Ex-Bundeskanzler WS)

~ "Was der neue Kanzler [...] als Programm der großen Koalition präsentierte, ist nicht weniger als Verrat an seinen Wählern." ("Tagesanzeiger", Zürich)

~ "Die ÖVP mag am 1. Oktober zwar mit Pauken und Trompeten die Wahlen verloren haben - aber drei Monate später gewann sie, nicht minder spektakulär, die Koalitionsverhandlungen." ("Die Welt", Hamburg")

~ "In Wien wird als künftig wieder verwaltet, nicht regiert." ("Badische Zeitung", Freiburg")

~ "Um den wiederholten Anfragen von LeserInnen gesammelt zu antworten: Nein, heute ist bei uns nicht redaktionsinterner 1. April. Die Ressortverteilung stimmt so." (Anita Zielina, Redaktion Online-Standard)

~ "Manche Leute können keiner Fliege etwas zu Leide tun, weil sie nicht imstande sind, eine zu fangen" (Helmut Qualtinger)

M.

P.S.: Ich hatte schon einen recht umfangreichen Antwortbrief von AG auf den ursprünglichen Text begonnen, ihn dann aber leider selbst vernichtet. Ich bedaure, aber die Mühe das nochmals präzise im Detail zu formulieren war mir dann zu gross.

P.P.S.: Ich bin wirklich froh, nicht taktisch gewählt zu haben.

P.P.P.S.: Die Zitate wurden (einmalig) überprüft, Ungenauigkeiten und Fehler gehen auf meine Kappe.

fr. hase - 8. Jan, 22:51

mag schlimm klingen. aber ich hab ihnen wirklich geglaubt *mups*
Morningstar (Gast) - 8. Jan, 23:31

Nein nicht schlimm, manchmal wäre ich froh wenn ich noch einfach so dran glauben könnte. Kann nur sehr gut den Ärger nachvollziehen, den dieser massive Vetrauensmissbrauch nach sich zieht.

M.

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karinko (Gast) - 8. Sep, 23:36
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*hug*
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frl s (Gast) - 10. Jun, 18:36
ja das klingt fein :))...
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fr. hase - 9. Mrz, 10:47
*smieeeg* machma kommenden...
*smieeeg* machma kommenden samstag was? ich vermiss...
ursi (Gast) - 9. Mrz, 10:22

dankesön

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